… und umgekehrt

12. Juni 2017

Es gibt so einen tiefsinnigen Spruch:

Egal, was mein Gegenüber sagt:
Alles was er oder sie sendet,
ist eine Aussage über sich selbst
und seine/ihre eigenen Bedürfnisse.
Diese Äußerung sagt nichts über mich.

Das funktioniert natürlich auch umgekehrt:

Egal, was ich meinem Gegenüber sage:
Alles was ich sende,
ist eine Aussage über mich selbst
und meine eigenen Bedürfnisse.
Diese Äußerung sagt nichts über mein Gegenüber.

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Was ist eine Tat?

22. April 2017

Wenn GfKler mit anderen Wesen interagieren, dann beobachten sie genau und forschen nach Gefühlen und Bedürfnissen. Wenn sie eine These über die Gesamtsituation haben, dann starten sie einen Testballon – die Bitte.

Lässt sich das auf eine Tat, eine Handlung verallgemeinern? Ist dann die Tat eine Bitte an die Wirklichkeit? Ja, das ist ein friedlicher Plan:


Nichts wollen

31. Oktober 2015

Mir begegnete so ein Spruch von Don Freeman:

You cant control a person who wants nothing.

Noch verstärkt mit: „Especially, if your language does not have the word for Want. If there is no ‚want‘ there is no Greed.“ Der Spruch verursachte ein gedankliches Stolpern. Er zeigte mir nicht zum ersten Mal, wie mich eine bestimmte Denkkultur konstruiert. Geht das: Sein/Leben ohne Wollen.

Ja, es geht. Und der Grundansatz der GfK geht genau so. Ich habe Benürfnisse, deren Erfüllungsgrad äußert sich über Gefühle. Und ich kann mich drum kümmern, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Aber das ist kein autonomes Wollen, das ist Leben – so wie ein Baum nach dem Licht strebt. Das Wollen ist die Fixierung auf die Strategie.


Anonyme Aktivisten

13. Februar 2015

Damals fand ich Pawel Kortschagin gut und die proletarische Weltrevolution. Die Weltrevolution floppte. Ich suchte mir andere teleologisch determinierte Betätigungsfelder. Als mein letzter Kommuneversuch wieder mal floppte, kam mir so die Idee, ich könnte ja Christ werden. Die Sprüche in den Schaukästen sind die schlechtesten nicht. Meine Begleiterin fragte, ob ich nicht einfach nur mal menschlich leben könnte.

Vielleicht ist da etwas dran und ich sollte mich einer Gruppe der Anonymen Aktivisten anschließen. Da treffen sich Leute, die für sich erkannt haben, dass ihr rastloses Weltrettungs- bzw. Weltherrschaftsstreben eine Sucht ist.


Mesotes

13. November 2014

Wir auf Kommunikation Achtenden saßen beisammen und sprachen über so eine Diskussionsveranstaltung über Verschwörungstheorien. Und wie laute Männer von in Fels gemeißelten Standpunkten aus aufeinandereinredeten. Bubersche Vergegnung in Reinkultur.
Später dann fürchtete sich eine vor totaler Empathie, dem Auflösen, dem Verschwinden im Anderen.
Da fiel mir Aristoteles seine Mesoteslehre ein, sein Streben nach dem rechten Maß zwischen Extremen. In diesem Licht erscheint Begegnung als Tanz, als rechtes Maß zwischen Konfrontation und Selbstaufgabe.

mesotes


Kreis und Seele

24. Februar 2014

Da ist also so ein Kreis in der Ebene. Ein Mathematiker hat damit keine Probleme, er definiert und fertig. Aber wenn so ein Mensch den Kreis betrachtet, kommt er ins Grübeln. Was ist der Kreis: Ist es die Linie? Ist es die Kreisfläche? Gehört die Linie dazu? Oder ist es ein Loch in der Ebene? In welcher Beziehung stehen Kreisinneres und Kreisäußeres? Was ist von beiden das Primäre, das Bestimmende?

In welcher Beziehung stehen Mensch und Welt? Wenn der Kreis ein Mensch ist und die Ebene die Welt. Dann ist das Äußere des Kreises die Umwelt. Wenn die Kreisfläche der Körper ist, ist dann die Kreislinie die Seele, als Form des Menschen? Wenn dem Kreisinneren, dem Körper, und dem Kreisäußeren, der Umwelt, eine gewisse Aktivität zugeordnet wird, wird sich die Form des Kreises im Laufe des Lebens ändern. Vielleicht ist die Seele ein elastisches Gummiband, das den Kreis immer wieder in Form bringen will?

Wenn der Mensch stirbt, bleibt die Form erhalten. Und so wie die Umwelt mit der Form des Menschen in Beziehung stand, als er lebte, kann sie in Beziehung mit dieser Form bleiben, wenn der Mensch tot ist.


Marx‘ Gewalt reloaded

26. Januar 2014

Von Marx stammt der Spruch: „Die Theorie wird zur materiellen Gewalt sobald sie die Massen ergreift“ Im Original im Absatz 385 liest sich die Sache wesentlich differenzierter, aber diese Kurzform ist mir ins Hirn gebrannt. Und mir war immer so, als könnte die Theorie herausfinden, wie die Welt sein soll. Dann finden sich die Checker zusammen und kümmern sich drum, dass es so wird. Und ich bin natürlich ein Checker und schließe mich den Guten an.

Aber wahrscheinlich ist es so, dass die Welt das ist, was sie geworden ist und das, was sie werden kann und sie wird das, was Naturgesetze vorschreiben und das, was Menschen wollen. Und wenn sich so ein Wir in einem Triumph des Willens erhebt und Europa in Schutt und Asche legt, dann ist das so. Und wenn ich was anderes will, sowas diffus empathisch-kuscheliges, ja dann muss ich das betreiben und wenn sich genügend Leute finden, die das auch wollen, dann wird meine/unsere Theorie zur materiellen Gewalt.

Aber die Absolution, dass es so sein soll, die gibt es eher nicht. Dieser Klick im Hirn gibt mir Freiheit und Erleichterung, obwohl ich Trauer und Ernüchterung erwartet hätte: Steh‘ halt auf, wenn dir irgendwas nicht passt.