Hesse sein Siddharta

10. Februar 2009

Und manchmal bin ich unsicher, was sie bedeuten, diese Ausflüge in die GfK-Welten, zu Philosophieseminaren und Sitzblockaden. Gibt es da große Unterschiede zu Biertischpolemik, Skatrunde und FAZ-Lektüre. Na ja, diese edlen Zweifel des üntellektuellen Schmocks hat Hesse schon 1922 beschrieben:

Sprach Govinda: »Siddhartha macht sich einen Scherz mit mir. Wie hättest du Versenkung, wie hättest du Anhalten des Atems, wie hättest du Unempfindlichkeit gegen Hunger und Schmerz dort bei jenen Elenden lernen sollen?« Und Siddhartha sagte leise, als spräche er zu sich selber: »Was ist Versenkung? Was ist Verlassen des Körpers? Was ist Fasten? Was ist Anhalten des Atems? Es ist Flucht vor dem Ich, es ist ein kurzes Entrinnen aus der Qual des Ichseins, es ist eine kurze Betäubung gegen den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens. Dieselbe Flucht, dieselbe kurze Betäubung findet der Ochsentreiber in der Herberge, wenn er einige Schalen Reiswein trinkt oder gegorene Kokosmilch. Dann fühlt er sein Selbst nicht mehr, dann fühlt er die Schmerzen des Lebens nicht mehr, dann findet er kurze Betäubung. Er findet, über seiner Schale mit Reiswein eingeschlummert, dasselbe, was Siddhartha und Govinda finden, wenn sie in langen Übungen aus ihrem Körper entweichen, im Nicht-Ich verweilen. So ist es, o Govinda.«

Und überhaupt. Das Totschlagargument geht immer: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

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