Bedürfnisse und Werte

8. August 2017

Fundstück in Seminarmitschriften:

Das Problem schwingt in den aktuellen Diskursen mit, wenn es darum geht, was wertvoller ist: die nationale Identität oder die Hilfe für Nichtdeutsche oder auch bei der Frage, wo das gelobte Land liegt: im konservativen bekannten Gestern oder dem progressiven unbekannten Morgen.


Wie ich mir, so du mir

4. März 2016

Wenn ich mit Gutmenschen oder Rassisten spreche, so scheinen mir viele nach der Maxime: „Wie ich mir, so du mir!“ zu denken/sprechen und handeln. Soll heißen, wir projezieren unser Selbstbild auf den Anderen. Ein philantropischer Sonnenschein erwartet vom Anderen dasselbe und begegnet ihm mit Wohlwollen. Ein pessimistischer Grummel, der in Wie-du-mir-So-ich-dir-Kategorien denkt und handelt, muss das Schlimmste erwarten. Zumindest ist mir noch kein fröhlicher Asylkritiker begegnet. Weder in der optimistischen, noch in der pessimistischen Projektion kommt der Andere selbst vor.


2 Fahrräder

19. April 2015

Die Konfliktbearbeitung a lá Eisentraut/Weishaupt lehrt die Spinnwebanalyse:

spinnweb

Gewaltfreie Kommunikation hüpft auf dem Tanzparkett herum:

gfk

Passt gut zusammen. Watzlawick meinte ja wohl aus seiner konstruktivistischen Sichtweise heraus: wenn es jemandem schlecht gehe mit seiner Wirklichkeit, so sei es doch sinnvoll, ihm zu helfen, eine weniger leidvolle zu schaffen. Wenn ich am Knoten in meinem Kopf leide, am wilden Grübeln, dann ist es ein guter Plan, dieses mein Denken neu zu strukturieren. Spannend, wie zwei unterschiedliche Ansätze zu ähnlichen Ergebnissen gelangen.


Grundsätze

14. Februar 2015

Grundsaetze


Intervention bei „Vielrednern“

28. November 2014

Darum ging es. Was tun, wenn in meinem Kopf das Urteil ist: der andere redet zu viel und ich komme nicht zu Wort. Tausendmal erlebt. Eine profunde Basis an Erfahrungen.

Zwei Möglichkeiten. Ich bin wütend, aufgebracht, irgendwie aggro. Oder ich bin gleichmütig, kräftig, souverän. Leute, die das zweite können/machen, die sagen dann: „Ich kann dir gerade gar nicht folgen. Was du sagst, interessiert mich jetzt gar nicht…“

Letztens las ich, Gefühle seien konzentriertes Wissen, Subroutinen tief aus dem limbischen System. Und wenn ich wütend bin, dann will ich kämpfen, dann will ich gewinnen und nicht verhandeln, dann ist mir Verbindung egal. Und wenn ich aus dieser Wut heraus den Vielredner bekämpfe, dann registrieren seine Spiegelneuronen diese meine Wut, meinen Angriff…

Aber ich bin nur wütend, ich bin nicht meine Wut. Oder wie Willigis Jaeger schreibt: „Ich vergleiche die Emotionen, Stimmungen, Gedanken und Ereignisse gerne mit einem Sturm auf dem Weltmeer. Was kümmert es das Weltmeer, wenn in der Biskaya ein Sturm tobt? Es gilt diesen Sturm zu erleiden, bis er vorbei ist.“ Aus dieser Haltung heraus kann ich meine Wut suspendieren. Ich kann freundlich und souverän kundtun, wie wenig mich die Worte des anderen erreichen. (Es sei denn, ich will streiten.)

Und dann war da noch eine Vielrednerin, die bedankte sich dafür, dass sie unterbrochen wurde, sie merke dass manchmal gar nicht, dass die anderen gar nicht mehr dabei sind.


Objektivität

12. September 2014

objektiv

Welches Bedürfnis befriedigt meine aggressive Loyalität zu Naturwissenschaft und Rationalität?


Meine Stille

8. September 2014

Manchmal schließe ich die Augen, damit ich besser hören und/oder fühlen kann.

Manchmal genieße ich die Nacht, wenn fast nichts zu hören ist.

Und manchmal, da mache ich so Meditationen, die das Gedankenkarussell zur Ruhe kommen lassen. Ich genieße den Zustand, wach und entspannt (fast) nicht zu denken. Aber dass ich da irgendwie dem wahren Sein näher sein soll? Ach nö.


Gemeinschaft

26. August 2014

Damals in Afrika haben wir Tiere beobachtet. Da gab es eine Kooperation von völlig ungleichen Partnern. Giraffen mit langen Hälsen und Überblick. Kleinere Antilopen mit gutem Gehör und Affen mit Intelligenz. Dieses Dreigespann war ziemlich fit in der Verteidigung gegen Löwen.

So stelle ich mir Gemeinschaft vor. Völlig ungleiche Leute mit unterschiedlichsten Qualitäten erkennen sich in ihrer Unterschiedlichkeit an und schaffen es, gemeinsam zu agieren.


Verkopft

28. April 2014

Ich bin gerade mit einer Gruppe von Leuten unterwegs, da heißt es immer mal: Das ist mir zu verkopft.

Meine erste Reaktion darauf ist oft innere Ablehnung. Ich bin stolz auf meinen Kopf. Mein Kopf ist meine feste Burg. Sprache ist meine Heimat. Mein Lieblingswitz geht so. Ich war mal richtig gut im Lösen von hyperkomplexen Differentialgleichungen. Und wenn dann jemand sagt: Das ist mir zu verkopft – dann höre ich an schlechten Tagen: Du bist falsch und ich bin richtig, du darfst nicht kopfen. Nur Mystik, Körpererfahrung, Schamanismus und Kreistänze sind das Wahre. Und ich fühle mich schwach und nackt ohne meinen Kopf. Er gibt mir Sicherheit.

An guten Tagen fallen mir meine eigenen Kopfgrenzen ein, wie ich damals das Lebesgue-Integral nicht begriffen habe, der Frust eine Schachposition oder einen Quelltext nicht zu überblicken. Und mir fallen Leute ein, die wunderbare Menschen sind, obwohl sie keine Sätze verstehen in denen ein Genitiv vorkommt, für die Prozentrechnung ein Buch mit 7 Siegeln ist. Dann höre ich: Das ist mir zu verkopft. Ich kann dich so nicht verstehen, lass uns nach einem anderen Weg suchen, in Verbindung zu gelangen.


Kreis und Seele

24. Februar 2014

Da ist also so ein Kreis in der Ebene. Ein Mathematiker hat damit keine Probleme, er definiert und fertig. Aber wenn so ein Mensch den Kreis betrachtet, kommt er ins Grübeln. Was ist der Kreis: Ist es die Linie? Ist es die Kreisfläche? Gehört die Linie dazu? Oder ist es ein Loch in der Ebene? In welcher Beziehung stehen Kreisinneres und Kreisäußeres? Was ist von beiden das Primäre, das Bestimmende?

In welcher Beziehung stehen Mensch und Welt? Wenn der Kreis ein Mensch ist und die Ebene die Welt. Dann ist das Äußere des Kreises die Umwelt. Wenn die Kreisfläche der Körper ist, ist dann die Kreislinie die Seele, als Form des Menschen? Wenn dem Kreisinneren, dem Körper, und dem Kreisäußeren, der Umwelt, eine gewisse Aktivität zugeordnet wird, wird sich die Form des Kreises im Laufe des Lebens ändern. Vielleicht ist die Seele ein elastisches Gummiband, das den Kreis immer wieder in Form bringen will?

Wenn der Mensch stirbt, bleibt die Form erhalten. Und so wie die Umwelt mit der Form des Menschen in Beziehung stand, als er lebte, kann sie in Beziehung mit dieser Form bleiben, wenn der Mensch tot ist.