Fremd

25. März 2010

Sprach ein TN: „Und dann machen wir noch eine kraftvolle Übung im Sinne von: Wir Männer halten zusammen.“

Meine Augen verleiern sich bis zum Anschlag, ich möchte laut rülpsen können. Meine Wölfe raunen von der Konstruiertheit des Geschlechts. Meine kritischen Propheten von Adorno bis Watzlawick verweigern mir Bedürfnisbefriedigung durch Wir-Männer-Kult. Und natürlich haben sie Recht. Die Erde ist keine Scheibe. Zu viel Alkohol zerfrisst die Leber. Arier sind eine rassistische Fiktion. Geschlecht ist ein soziales Konstrukt.

Und doch auch Neid und Traurigkeit. So einfach sich in vorgefertigte Rollen einzukuscheln. 1000 einfache Strategien, diese mir eingebrannten Bedürfnisse zu befriedigen, die mich zwingen mit anderen Menschen zu interagieren: Mit bunten Schals im Fußballstadion, mit schwarz-roten Fahnen und Pflastersteinen gegen Nazis, mit frommen Gesängen beim hélènischen Kreistanz, mit dem Bierglas am Tresen, mit einer kraftvollen Übung im Sinne von: Wir Männer halten zusammen. Irgend etwas hält mich ab davon, mich gemeinschaftstrunken auf solche Rituale einzulassen.

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Das zugeparkte Auto

6. Februar 2009

Ein Mann und eine Frau bearbeiten einen kleinen Klassiker. Großes, sperriges Auto, beladen mit kleinen Kindern nicht ganz perfekt in eine enge Parklücke bugsiert. Der Fahrer des Autos in der Nachbarlücke kommt herbei und schimpft.

  • Der Mann sucht nach einer Strategie: Was hätte ich denn tun sollen?
  • Die Frau sucht nach der Antwort auf die Frage: Warum war der Fahrer so wütend?