Atheistische Aufklärung

8. Oktober 2011

Manchmal mache ich ja großes Gedöns drum, dass ich mich über eine Vequickung von Religiösität und GfK gräme. In einer Buchbesprechung „Böse Philosophen“ über die atheistischen Aufklärer um Diderot und Holbach finde ich erfrischende Hinweise darauf, dass die ganze Kiste auch ohne Gott funktioniert:

Nach welchen Maßgaben aber soll sich das Weltbild ausrichten, wenn Gott nicht mehr mitspielen soll – nicht einmal in verwandelter Gestalt? Ganz einfach, meint Blom mit Holbach und Diderot: Denn es sei „meistens deutlich, was Menschen gut tut und was ihnen schadet, das allein reicht als moralisches Prinzip“. Denn „wenn jeder Mensch das Recht hat, sein Glück zu schaffen, dann ist niemand dazu berechtigt, Macht über andere auszuüben, und einzig das Prinzip der Solidarität macht ein konstruktives Zusammenleben möglich.“ Und das ist denn auch das Interessante an der Gemeinschaft der radikalen Aufklärer, dass unter diesen Solidarität, Einfühlung und Selbstkritik offenbar möglich waren. Eigenschaften, die dem stets auf den eigenen Vorteil bedachten Voltaire und dem von Verfolgungswahn heimgesuchten   Rousseau   abgingen.

Es lebe Ockhams Rasiermesser.

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