Körperwelten

24. März 2014

in Dresden. Ich stand lange vor Exponaten wie dem Denker. Ich sah die Komplexität der Knochen, Muskeln, Blutgefäße, Nerven. Einmal hieß die Ausstellung treffend: „Our Body: The Universe Within.“ Unsere Haut verdeckt diese Komplexität. Und die Art, wie wir in groben Begriffen denken, verstärkt diesen Effekt. Mein grobes anatomisches Wissen überträgt sich auf meine Körperwahrnehmung. Natürlich kann ich in den Wald gehen und die Baumkronen betrachten oder allerlei kosmische Strukturen. Und dann staune ich über die Vielfalt der Schöpfung; dann sehe ich meinen Körper von außen und seine Komplexität ist verborgen. Aber in der Ausstellung stand ich vor meinem Ebenbild und die Kontemplation über den eigenen Körper hatte spürbare Wirkungen, ähnlich wie nach exzessivem GfK-Konsum: Bei meinen Yoga-Verrenkungen am Abend konnte ich wesentlich genauer auf meinen Körper achten und wenn ich Muße genug habe und sehe einen anderen Menschen sich bewegen, gelingt mir manchmal so etwas wie Körperempathie.

noch ein Bericht aus Bochum

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Spiegelneuronen oder Herzchakra

10. Juli 2012

Seit ich nach exzessivem GfK-Konsum immer mal so Begegnungen der dritten Art hatte, lausche ich sehr genau in mich hinein, was mir passiert, wenn ich Menschen auf der Straße begegne.

Letztens passierte ich ein Pärchen, Hand in Hand, mit dem leicht debilen Grinsen der Verliebten. Und eine Woge der Liebe durchwaberte meinen Körper vom Herzen her, ganz genau so, als sei ich selbst verliebt. Sehr angenehm. Ich sollte mich um Lebensbedingungen kümmern, wo mir so was öfter passiert.

Da ich die beiden gesehen habe, gehört die Begebenheit für mich in die Kategorie Spiegelneuronen. An eine verstärkende Überlagerung der elektromagnetischen Felder unserer Herzen mag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht glauben.


Empathische Halluzinationen

8. November 2011

Stoned von einem GfK-Seminar in der Menge eines vollen Hauptbahnhofs. Das Hirn durch allerlei Dialogübungen und intensive Gespräche im empathischen Ausnahmezustand. Dazu gab es vorher noch Hegel mit seinem: „Das Wahre ist das Ganze, der Widerspruch.“

Plötzlich war ich von der Vorstellung durchflutet, dass ich mich nicht wie eine Billardkugel, Teilchen oder Einzelsubjekt durch die Menschenmenge bewegte sondern ich sah beziehungsweise spürte ein zusammengesetztes Feld aus Einzelschwingungen.   So etwas wie Welle-Teilchen-Dualismus: Wolfsteilchenmodus – klare Grenzen, wahre und falsche Urteile, getrennte Einzelmenschen. Giraffenwellenmodus – empathische Überlagerung von Feldern, unmöglich den Einzelnen ohne die anderen zu denken.

Es gab ein physisch spürbares Umschalten zwischen zwei Zuständen: dieser ungewöhnliche Zustand der dialektischen Selbstaufhebung in der Menge und die ganz prosaische Einzelsubjektwerdung, wenn ich an einem Imbissstand überlegte, ob ich wohl was essen sollte. Aber ich war so berauscht von meinen Selbstauflösungswahrnehmungen, dass sich es verzog, weiter in/mit der Menge zu schwingen. Verstörend angenehm das Ganze.

Mit etwas Abstand stelle ich mir die Sache so vor. Ähnlich wie nach der GfK-Freizeit war der Bewertungsautomatismus zwischenzeitlich ausgeschaltet. Und ich war eine Weile tatsächlich in der Lage die Menschen um mich herum mit zärtlichem Interesse nur anzuschauen – ohne sie sofort in Schubladen zu packen.


Frisch trainiert

4. Juli 2010

Nach einer Woche GFK-Freizeit – wieder so ein Zustand von Klarheit/Wachheit und nichtwertendem Beobachten:

Ich war 3 Minuten vor Abfahrt meines Zuges am Bahnsteig. Für einen kurzen Augenblick wurde ich hektisch und unruhig – ob ich wohl den Zug noch schaffe. Aber es war ganz leicht diese Aufregung verschwinden zu lassen, da war eine kurze Lücke zwischen Gefühl und spontaner Handlung. Sehr angenehm – diese Klarheit. Kein Problem, auf den nächsten Zug zu warten.

In Halle vor dem Bahnhof stand eine Schülerin mit Gipsbein. Und ich mit meiner Kraxe, dem dreckigen T-Shirt und löchrigen Hosen. Doch da gab es kein Kopfkino, keine Aufregung – wie ich mich jetzt wohl verhalten sollte – weggucken, nur zunicken, Grüßen, Stehenbleiben, und wenn Stehenbleiben – was sollte ich sagen. Es war ganz leicht. Klarheit. Ich konnte mich wie automatisch vor Sie hinstellen, Sie anlächeln und fragend auf Ihr Gipsbein gucken. Sie konnte Ihre Geschichte erzählen, ich sagte ich käme aus dem Urlaub und wir verabschiedeten uns. Dann konnte ich noch mit spöttischer Heiterkeit den Impuls beobachten, Sie beim Sprechen zu Berühren.

Mit Verwunderung und Heiterkeit betrachtete ich große Werbeplakate, auf denen Leute lachten. Aber ich konnte nicht mit Ihnen „in Kontakt“ kommen, weil sie künstlich lachten.