Vernetzung

27. Juni 2011

Da war ich zu so einem Philosophiedings und da gab es zwei Workshops:

Ach das war schön, Kohärenz fördernd. Ich war so froh über so kleine Fäden zwischen den unterschiedlichen Lagern: Hardcorewissenschaftlern, Politaktivisten und Ökofuzzipsychos.


Sinnfreiheit

27. Oktober 2010

Geradezu beschwingt und euphorisch bin ich gestern von Kreuzberg nach Friedrichshain gelaufen, nach einer Aufführung von Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit.

Da müssen ja wohl irgendwelche Bedürfnisse erfüllt gewesen sein. Und in meinem Kopf kreiselte der Satz „Es geht auch ohne Sinn.“

Mir fiel mein Ringen auf den ersten GfK-Seminaren um (gegen?) das Dogma, der allen Menschen gemeinsamen Bedürfnisse ein. Und wie ich Felix um wissenschaftliche Texte bat. Ich habe die Sachen überflogen. Die Methode, diese gemeinsamen Bedürfnisse herauszukristallisieren, war die Befragung. Aber ob das eine unfehlbare Methode ist, dem Menschen ein Grundbedürfnis nach Sinn bzw. Spiritualität zuzuschreiben?

Auf jeden Fall war war ich an diesem Abend voll Klarheit und Kohärenz. Ein freundlicher ethischer Nihilismus erlaubte mir ein kurzes Erleben eines integrierten Ichs.


2 x flussaufwärts

27. September 2010

Es gibt diesen trotzigen Aufkleber:

Den habe ich mir in einem Rausch von Zugehörigkeit auf der Antiatomdemo Ende September in Berlin gekauft. Und ich erinnerte mich gleich an die Geschichte aus Marshall Rosenberg: Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation:

Stellen Sie sich vor, sie kommen an einem Fluss vorbei und sehen ein Baby im Wasser treiben, das gegen das Ertrinken kämpft. Selbstverständlich springen sie ins Wasser und retten das Kind. Kaum haben sie es aus dem Wasser gezogen, sehen sie 2 weitere Babys im Fluß. Also springen sie wieder rein und ziehen auch diese beiden aus dem Wasser. Dann tauchen plötzlich noch mehr 3, 4, 5 Babys im Wasser auf.

Verstehen sie was ich meine? in der Welt in der wir leben, werden sozusagen ständig Babys ins Wasser geworfen. Wir können unser ganzes Leben lang am Flussufer zubringen und würden doch nur einige wenige Babys retten. Wir haben wirtschaftliche Strukturen, in denen täglich 30.000 Menschen auf der Welt verhungern.

Wann hören sie auf, Babys aus dem Wasser zu ziehen und gehen flussaufwärts um nachzusehen, wer eigentlich die Babys ins Wasser wirft?

Und ich fragte mich. Wie ist das eigentlich? Schwimmen wir gewaltfreien Kommunizierer gegen den Strom zur Quelle. Jetzt, wo ich das Zitat nochmal genau lese, steht da: wann gehen Sie flussaufwärts.

Das ist Rosenbergs Weg mit seinen „das Leben bereichernden Institutionen“ Dann gibt es die Kämpfer, die mit aller Wolfsenergie gegen den Strom schwimmen, die mit dem Aufkleber. Wieder andere sind losgegangen, auf einen Hügel gestiegen – und sie haben alles gesehen, die Quelle, die Mündung, den Fluss voll ertrinkender Babys. Danach sind sie da oben sitzen geblieben oder zurück ans Ufer, Babys retten, oder auch mit einem Samuraischwert zur Quelle…

Und die Wirklichkeit ist noch komplexer. Gerade gehe ich in meiner Familie an die Quelle, rette im Unterricht Babys, schwimme im Lehrerzimmer gegen den Strom. Dann sitze ich wieder tatenlos am Ufer, voller Ohnmacht und Trauer, manchmal auch gleichgültig…


Ärger über Propheteninvasion

16. August 2010

Im Urlaub habe ich Scott Pecks „Gemeinschaftsbildung“ gelesen. Die ersten zwei Teile habe ich mit großer Freude und Interesse gelesen und die Sachen mit den Ansichten von deMause, Rosenberg und Bauer verglichen. Mein Kohärenzbaum bekam gut Nahrung. Passt alles gut zusammen.

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Was ist für mich geblieben

13. August 2010

von der GfK-Freizeit:

  • Der Wert der Stille
  • Die Erinnerung, daran, wie ich für ein paar Tage (völlig ohne die hölzernen 4 Schritte) einfach so bitten konnte und Bitten erfüllen oder ablehnen. Oder wie Dragutin es ausdrückt: „die Haltung der gfk (geben und nehmen von herzen) in allen bereichen des alltages konsequent zu leben“
  • Bisher hatte ich GfK so betrieben, dass ich vom Bewusstsein aus im trüben Unbewussten fischte, strukturelle Anker versenkte über 4 Schritte, Bedürfnislisten, Sprachregelungen…. Die Arbeit mit Hélène und ihren Übungen ohne Worte eröffneten mir den umgekehrten Weg – nach so Impulsen aus dem Unterbewusstsein zu lauschen und auch anzunehmen. Und das muss der männlich-analytische Verstand zähneknirschend akzeptieren, mein Bewusstsein ist natürlich nur ein Bruchteil meiner Persönlichkeit.

Frisch trainiert

4. Juli 2010

Nach einer Woche GFK-Freizeit – wieder so ein Zustand von Klarheit/Wachheit und nichtwertendem Beobachten:

Ich war 3 Minuten vor Abfahrt meines Zuges am Bahnsteig. Für einen kurzen Augenblick wurde ich hektisch und unruhig – ob ich wohl den Zug noch schaffe. Aber es war ganz leicht diese Aufregung verschwinden zu lassen, da war eine kurze Lücke zwischen Gefühl und spontaner Handlung. Sehr angenehm – diese Klarheit. Kein Problem, auf den nächsten Zug zu warten.

In Halle vor dem Bahnhof stand eine Schülerin mit Gipsbein. Und ich mit meiner Kraxe, dem dreckigen T-Shirt und löchrigen Hosen. Doch da gab es kein Kopfkino, keine Aufregung – wie ich mich jetzt wohl verhalten sollte – weggucken, nur zunicken, Grüßen, Stehenbleiben, und wenn Stehenbleiben – was sollte ich sagen. Es war ganz leicht. Klarheit. Ich konnte mich wie automatisch vor Sie hinstellen, Sie anlächeln und fragend auf Ihr Gipsbein gucken. Sie konnte Ihre Geschichte erzählen, ich sagte ich käme aus dem Urlaub und wir verabschiedeten uns. Dann konnte ich noch mit spöttischer Heiterkeit den Impuls beobachten, Sie beim Sprechen zu Berühren.

Mit Verwunderung und Heiterkeit betrachtete ich große Werbeplakate, auf denen Leute lachten. Aber ich konnte nicht mit Ihnen „in Kontakt“ kommen, weil sie künstlich lachten.


Southpark

27. März 2010

Gestern gab es bei Southpark eine Folge gegen Sektenbegeisterung. Mir fiel sofort meine Begeisterung für die Gewaltfreie Kommunikation ein. Zweifel, Unsicherheit. Spöttische Leichtigkeit.


Glückshaut

26. März 2010

3 Tage hielt der Zustand an. Dieses „GfK ist eine Haltung.“ So ein Zusatzfilter Achtsamkeit, der es mir ermöglichte, die Leute in meiner Umgebung (und mich) einfach nur anzusehen, wahrzunehmen. Da gab es welche, die grüßten mich freundlich, andere schimpften über das, was ich getan hatte, manche lobten mich, manche tadelten mich.

Aber etwas in mir nahm sich souverän die Zeit, zu entscheiden, ob etwas zu tun sei. Ich war frei vom Zwang sofort mit Wolfsohren zu reagieren. Sehr angenehm, dieser Zustand.

Jetzt bin ich nicht mehr „auf Droge.“ Aber es gab keinen Absturz, keinen Kater, keine Depression nach einer euphorisch durchtanzten Nacht.


Weißes Rauschen

28. September 2009

Ich bin gerade zur Kur – ein Ausnahmezustand. Null berufliche oder familiäre Verpflichtungen. Nur ich. Nach so 5 bis 6 unterschiedlichen therapeutisch wohl dosierten körperlichen Aktivitäten und einem fettarmen, leichten Abendbrot saß ich so im Halbdunkel auf meinem Sessel.

Und da war Leere in meinem Kopf. Aber nicht die dumpfe Erschöpfung nach anstrengender entfremdeter Arbeit am Freitagabend auch nicht die lächelnde Entspannung nach Sex oder Achterbahn. Es war eine Leere jenseits von Gut und Böse – ich konnte keine Gefühle registrieren – weder solche die auf Erfüllung, noch solche die auf Nichterfüllung von Bedürfnissen hinweisen. Ich war wachen Geistes einfach nur da. Für ungefähr 5 Minuten, dann begann sich die Gedankenmaschine wieder zu drehen.

Faszinierend, wie Mr. Spock sagen würde


Waldspaziergang

2. August 2009

Da ging ich mit einem Menschen durch die Berge, der war ähnlich GFK-trainiert wie ich. Das Gespräch ging so um dies und das.
Ich bin mir nicht ganz klar, welche Bedürfnisse ich mir damit befriedigen wollte. Aber ich brachte das Gespräch auf die Predigt, die wir eben in den Bergen gehört hatten. Ich wusste, dass es kein small talk werden würde. Schnell waren wir bei den Grundfesten unserer unterschiedlichen Weltanschauungen angelangt.
Früher hätte ich angefangen, mein Gegenüber auf der Sachebene zu zerfetzen. Diesmal hörte ich: „Ich glaube ganz fest, dass A. Ich bin überzeugt, dass B. Ich habe C gelesen. Ich habe D erlebt.“ Und ich sah mich plötzlich gespiegelt. Nur dass ich ganz fest W glaube, überzeugt bin, dass X und überhaupt habe ich Y1, Y2, Y3 und Y4 gelesen und Z erlebt.
Ich war froh, vielleicht auch stolz darüber, dass wir uns nicht in ohnmächtiger Verblendung gegenseitig unsere Glaubenssätze an den Kopf geknallt haben. Ich war aufgewühlt und verwirrt, weil ich unsicher war, wie ich reagieren sollte auf: „Ich glaube ganz fest, dass A“ – Obwohl ich doch ganz fest W glaube, schließlich hat das Y2 gesagt.