Alleinsein

23. Februar 2018

Die einfachste spirituelle Disziplin besteht darin, sich ein Stück weit ins Alleinsein und Schweigen zurückzuziehen. Aber sie gehört zugleich zu den schwierigsten. Vielleicht besteht einer unserer mutigsten Schritte darin, mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen zusammen an einen einsamen Ort zu gehen; seine Gebetsmühle, nach der man süchtig ist, zum Stillstand zu bringen und sich einfach auf das einzulassen, was man fühlt, und zwar, was man wirklich fühlt.

Vermutlich gibt es keinen anderen Ausweg aus unserer suchtverfallenen Gesellschaft, unseren suchtkranken und aus den Fugen geratenen Familien, als sich ein gutes Stück weit bewußt ins Schweigen und Alleinsein abzusetzen.

Wenn ich Gesellschaften besuche, in denen vorwiegend Landwirtschaft betrieben wird, Länder wie in Afrika oder die Philippinen, begegne ich suchtfreien Menschen; Menschen, die ein stilles, einfaches Leben führen, die nicht aufgeputscht sind und mit einigen grundlegenden Wahrheiten auskom-men, an die sie sich ihr Lebtag halten. Halten Sie sich vor Augen, wie vieles uns tagtäglich aufputscht: Rundfunk, Fernsehen, Werbeflächen, Unterhaltungen. Wir müssen das ewige Geplapper, die zahllosen Reize leiser stellen; wir müssen uns wieder auf Gefühle einlassen, die wir jahrzehntelang angestaut und verdrängt haben. Wir sind davon überladen, und deshalb haben wir Angst davor, uns dem zu stellen.

Quelle: Richard Rohr, Das zündende Wort, Erscheinungsjahr 1993 – noch vor dem Internetboom und 14 Jahre vor dem ersten I-Phone 2007.

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Sokratisches Gespräch und Community Building

11. Juli 2017

Leonard Nelson beschreibt, wie es in einem Sokratischen Gespräch zugeht:

… Da tauchen neue, verständnislosere Fragen auf. Schon beginnen einzelne zu schweigen. Es schweigen ganze Gruppen. Dazwischen geht die Unruhe der immer zielloser werdenden Fragen. Selbst die anfangs noch Sicheren lassen sich dadurch verwirren. Sie verlieren gleichfalls den Faden. Sie wissen nicht, wie sie ihn wiederfinden sollen. Endlich weiß niemand mehr, wohin die Aussprache steuert.
Die schon bei Sokrates berühmte Verwirrung ist eingetreten. Alle sitzen ratlos da. Das anfangs Gewisse ist ihnen ungewiss geworden.

Dies scheint dem Übergang vom Chaos in die Leere zu entsprechen. Auch Hinweise auf die Tücken des Verharrens in der Pseudogemeinschaft gibt es:

Aber viele erlahmen und werden überdrüssig, wenn ihre Kenntnisse verschmäht werden, wenn die ersten selbständigen Schritte sie nicht vorwärtsbringen.
Über die Rolle des Fascilitators heißt es:
Der philosophische Lehrer, der nicht den Mut hat, seine Schüler vor diese Probleme der Verwirrung und Entmutigung zu stellen, beraubt sie nicht nur der Fähigkeit, die Widerstandskraft auszubilden, deren der Forscher bedarf, er täuscht sie über ihr eigenes Können und macht sie unehrlich gegen sich selbst.
Um das gelingende Sokratische Gespräch zu charakterisieren, zitiert Nelson Plato:
Es lässt sich nicht in Worte fassen, sondern aus lange Zeit fortgesetztem Verkehr und aus entsprechender Lebensgemeinschaft tritt es plötzlich in der Seele hervor wie ein durch einen abspringenden Funken entzündetes Licht und nährt sich dann durch sich selbst.
Alles dasselbe: Erleuchtung, Gemeinschaft im Sinne des Community Building nach Scott Peck, gelingendes Philosophieren im Sokratischen Gespräch

Quelle: Das Sokratische Gespräch


Gen 2.17

13. November 2016

Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

Nochmal nachgelesen und dieser Baum war nicht einfach so der Baum der Erkenntnis. Es war der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Das heißt Gott hatte den Menschen ohne die Kategorien Gut und Böse geschaffen. Erst durch das Werten, das Einteilen von Handlungen in Gut und Böse fing der Stress an und Kain erschlug Abel.

Vor diesem Hintergrund wird klarer was in Rosenbergs Rumizitat steckt:

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.

Und darum geht es in der GfK – das Werten hinter uns lassen.


Sodbrennen und GfK

21. September 2016

Im Klassiker von Rosenberg findet sich die Geschichte von dem Mann der nicht wusste, dass es auch Essen gibt, das kein Sodbrennen verursacht:

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Was ist GfK nicht I

13. März 2016

Auf Twitter gefunden, bei einem Menschen, der viele gute Worte übrig hat für die GfK:

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Was ist denn die falsche Richtung, was ist fehlerhafte Kommunikation. Ist GfK nicht eher eine Empfehlung im Sinne von: Wenn du GfK machst und fühlst, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du in Kontakt mit dir und/oder deinem Gegenüber kommst.

Deutlich wird dass mit dieser klassischen 4-Ohren-Übung: A macht B einen Vorwurf. B hat vier Möglichkeiten zu reagieren: empathisch/“giraffisch“ nach außen/innen und garstig/bewertend/“wölfisch“ nach außen/innen. Welche der 4 Reaktionen ist richtig?

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Passt

9. November 2014

Andrea Lohmann schreibt:

„Menschen, die in ihrer Differenzierung fortgeschritten sind, können mit anderen einig sein, ohne sich zu verlieren und anderer Meinung sein, ohne sich dabei isoliert oder getrennt zu fühlen. “
(David Schnarch)

… Wie können wir als Einzelne/r und auch in Begegnung und der Beziehung mit anderen zu Freiheit und Eigenverantwortlichkeit kommen, wie die erforderlichen Fähigkeiten erwerben und schließlich in einem friedvollen Miteinander sein?
Ich meine, wir brauchen neue Bilder jenseits des Dogmas vom romantischen, harmonischen Miteinander, neue Werkzeuge und Wege, um uns in unserer Verschiedenheit zu sehen und akzeptieren und um mit auftauchenden Widersprüchen und Konflikten konstruktiv umgehen zu können.

Für mich vermittelt die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) eine neue Haltung und bietet zudem genau die Werkzeuge, die uns auch im Alltag und in emotionalen Situationen unterstützen können:
Selbstempathie, d.h. sich selber mit dem anzunehmen, was gerade ist, und Empathie für den Anderen sowie die Ebene der Bedürfnisse als Brücke, die beide Seiten verbindet.

Das daraus vielleicht resultierende „Nein sagen können“ ist ein Mittel und ein Ausdruck des „Ja sagens“ zu mir, zu mir und meinen Bedürfnissen. Und das Ja hinter dem Nein des Anderen hören zu können, ist ebenso wichtig für ein gelingendes Miteinander- in Partnerschaften und auch mit unseren Kindern und Freunden und im Arbeitsalltag:

„Wenn beide Seiten die Bedürfnisse des jeweils anderen benennen können, findet Euch die Lösung.“
(Marshall Rosenberg)

Das stimmt für mich jedes Wort.


Beleidigungen

23. November 2011

Klaus Kinsky:

„Wer mich beleidigt, entscheide ich.“