Pinakarri feiern

27. Februar 2016

Dragon Dreaming mit Linda Moritz in Quetz. Pinakarri, das intensive Zuhören als Feiern. Ach, das war eine schöne neue Sichtweise für mich. Das Zuhören, das Sich-dem-Gegenüber-Zuwenden nicht als Mittel zum Zweck sondern als Feier, als Celebration.

Überhaupt Feiern. Wenig hinterfragter Begriff. Was das Dragon Dreaming da anbietet, hört sich für mich viel erhabener und sympathischer an als versoffene Partyfröhlichkeit. Im DragonDreamingKreis steht unter Feiern: Weisheit erlangen, neue Fähigkeiten, Ergebnisse transformieren.

DragonDreaming

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Angst und Induktion

28. Oktober 2015

Martha Nussbaum in Hohe Luft – kompakt über Angst: Nach der schönen Definition von Aristoteles umfasst Angst den Gedanken, dass ein bedeutsamer Schaden droht und man es nicht ganz in der Hand hat, ob man den Schaden abwenden kann, entweder für sich selbst oder andere, um die man sich sorgt. Wie man sieht, gibt es eine Menge Dinge, die bei der Angst falsch laufen können. Man kann falsch darin liegen, ob die Bedrohung überhaupt existiert oder wie groß sie tatsächlich ist. Aristoteles gibt das Beispiel einer Maus, die über den Boden läuft, was keine so bedeutende Bedrohung ist. Angst ist nicht nur ein subkognitiver Vorgang. Sie hat zwar Elemente, die rein physiologisch sind, aber in jeder komplexeren Situation umfasst sie auch kognitive Elemente. Würden wir nur in unserem evolutionären Erbe feststecken, könnten wir die Vorstellung eines Feindes gar nicht bilden. Was sollte das denn sein? Sogar bei den meisten Tieren hat die Angst kognitive Elemente. Ihre Gedanken haben Inhalt, sie haben einen rudimentären Begriff davon, was gut oder schlecht für sie ist. Angst hat einen kognitiven Inhalt – also kann sie auch in die Irre gehen.

Da gehe ich also zu Anti*gidademos in Halle, beide Seiten schreien sich gegenseitig an. Manchmal ist nicht genügend Polizei da und das Ganze ist nicht so ein sicheres Event wie ehemals. In der Goldenen Rose, einem „Gutmenschen“treff, brennt es, später gehen Scheiben zu Bruch. Ich gucke zwei Wochen lang viel Nachrichten. Ich ziehe Vergleiche zu 89. Und plötzlich spüre ich Angst in mir.

Da gibt es Leute die hören von gewaltätigen Demos, die sehen Bilder von schwer gepanzerten Polizisten. Die lesen täglich Zeitung und gucken Nachrichten. Die merken, wie ihre nächsten Freunde und Verwandten zu Leuten werden, die ständig rassistische Witze verschicken. Und plötzlich haben die Angst.

Da gibt es Leute, die hören von Deutschen, die von Türken verdroschen oder abgezogen werden. Sie hören von arabischen Machos, die sich von Frauen nichts sagen lassen. Sie sehen Berichte von Gegenden in Deutschland in denen es fast nur Bewohner mit Migrationshintergrund gibt. Manches davon ist ihnen auch selbst passiert. Sie gucken viel Fernsehen und lesen Bücher von Sarrazin. Und dann haben die Angst.

Dann gibt es noch welche, die sind voll euphorisch, dass gerade so viel passiert, die haben sich mit euphorischen Leuten umgeben. Die sind viel im Wald, die jetten von einem selbstorganisiertem Projekt zum nächsten und erwarten einen rasanten spirituellen Umschwung in höhere Sphären.

Und natürlich noch die rührselige Indianergeschichte von den zwei Wölfen, die in uns kämpfen – der Gute und der Böse. Der erste ist mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit unterwegs, der zweite mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Frage: „Welcher Wolf gewinnt.“ Der, der gefüttert wird.


Kreistänze LevelUp

20. August 2015

Drei Tage GfK-Sommerlabor.

  • Am Morgen wollte jemand zu Beginn Tanzen. Spirituelle Musik. Manche hüpften von Null auf Hundert ekstatisch herum. Manche standen rhythmisch schwankend da. Andere blieben sitzen. Manche hatten die Augen offen, manche geschlossen.
  • Das Abschlussritual bestand in folgender Übung: Alle reichten sich kreuz und quer die Hände, ein paar Füße waren auch dabei. Nun bestand die Aufgabe darin, Händepaare zu lösen und möglichst schnell wieder neue Anschlussstellen zu finden. Ein chaotisch/harmonisch sich umeinander windender Menschenhaufen entstand.

Für mich waren diese beiden Rituale sehr stimmig. Ich fühlte mich geborgen und in Verbindung mit den anderen im Raum. Viel mehr als beim gemeinsamen Händchenhalten (auch ganz nett) oder bei Kreistänzen, die bei vorangegangenen Veranstaltungen vielen TN sehr angenehm erschienen.

Gemeinschaft in Vielfalt. Von Isolation und Feindschaft über harmonische Kuschelgemeinschaft zu etwas Neuem. Schöne Grüße von Hegels Einheit und Kampf der Gegensätze und dem Tetralemma.

Ein Kenner der Szene, dem ich davon erzählte, meinte, GfK wird erwachsen.


Intervention bei „Vielrednern“

28. November 2014

Darum ging es. Was tun, wenn in meinem Kopf das Urteil ist: der andere redet zu viel und ich komme nicht zu Wort. Tausendmal erlebt. Eine profunde Basis an Erfahrungen.

Zwei Möglichkeiten. Ich bin wütend, aufgebracht, irgendwie aggro. Oder ich bin gleichmütig, kräftig, souverän. Leute, die das zweite können/machen, die sagen dann: „Ich kann dir gerade gar nicht folgen. Was du sagst, interessiert mich jetzt gar nicht…“

Letztens las ich, Gefühle seien konzentriertes Wissen, Subroutinen tief aus dem limbischen System. Und wenn ich wütend bin, dann will ich kämpfen, dann will ich gewinnen und nicht verhandeln, dann ist mir Verbindung egal. Und wenn ich aus dieser Wut heraus den Vielredner bekämpfe, dann registrieren seine Spiegelneuronen diese meine Wut, meinen Angriff…

Aber ich bin nur wütend, ich bin nicht meine Wut. Oder wie Willigis Jaeger schreibt: „Ich vergleiche die Emotionen, Stimmungen, Gedanken und Ereignisse gerne mit einem Sturm auf dem Weltmeer. Was kümmert es das Weltmeer, wenn in der Biskaya ein Sturm tobt? Es gilt diesen Sturm zu erleiden, bis er vorbei ist.“ Aus dieser Haltung heraus kann ich meine Wut suspendieren. Ich kann freundlich und souverän kundtun, wie wenig mich die Worte des anderen erreichen. (Es sei denn, ich will streiten.)

Und dann war da noch eine Vielrednerin, die bedankte sich dafür, dass sie unterbrochen wurde, sie merke dass manchmal gar nicht, dass die anderen gar nicht mehr dabei sind.


Körperwelten

24. März 2014

in Dresden. Ich stand lange vor Exponaten wie dem Denker. Ich sah die Komplexität der Knochen, Muskeln, Blutgefäße, Nerven. Einmal hieß die Ausstellung treffend: „Our Body: The Universe Within.“ Unsere Haut verdeckt diese Komplexität. Und die Art, wie wir in groben Begriffen denken, verstärkt diesen Effekt. Mein grobes anatomisches Wissen überträgt sich auf meine Körperwahrnehmung. Natürlich kann ich in den Wald gehen und die Baumkronen betrachten oder allerlei kosmische Strukturen. Und dann staune ich über die Vielfalt der Schöpfung; dann sehe ich meinen Körper von außen und seine Komplexität ist verborgen. Aber in der Ausstellung stand ich vor meinem Ebenbild und die Kontemplation über den eigenen Körper hatte spürbare Wirkungen, ähnlich wie nach exzessivem GfK-Konsum: Bei meinen Yoga-Verrenkungen am Abend konnte ich wesentlich genauer auf meinen Körper achten und wenn ich Muße genug habe und sehe einen anderen Menschen sich bewegen, gelingt mir manchmal so etwas wie Körperempathie.

noch ein Bericht aus Bochum


System der Bedürfnisse

20. November 2013

Wir saßen so zusammen und erarbeiteten ein System der Bedürfnisse mit einem Kartenspiel aus der Mut-Fabrik:

system

Ja klar, in der Mitte war was mit Liebe und so. Spannend war die Klammer aus Chaos und Ordnung. Noch spannender der Abfallhaufen von Bedürfnissen, die für uns nicht wichtig waren: Trauer, Inklusion, Nachhaltigkeit, Frieden und Freiheit – abgesehen von der Trauer so vernünftige Kopfgeburten ohne emotionale Relevanz. Ganz passend dazu so ein Zitat aus einem GEO-Text:

Der Klimawandel ist damit alles Mögliche, nur eines nicht: Emotional. „Un-emotional“ aber übersetzt unser Unbewusstes automatisch in „unwichtig“. Und weil das so ist, treffen wir die riskanteste aller Entscheidungen – nämlich die, so gut wie gar nichts zu unternehmen.


Aas eh

5. Juli 2013

Ich genieße die Art, wie Radfahrer und Fußgänger oft miteinander umgehen. Die kurzen Blicke, um sich zu verständigen. Die Komik, die entsteht, bei diesem Links-Rechts-Zucken bis klar ist, wie man umeinander herum kommt. Das erleichterte Lächeln, wenn es nach einer gefährlichen Situation doch nicht zum Crash gekommen ist. Wortloser Dank für das Einhalten von §1 StVO.

Letztens manövrierte ich vorsichtig hinter zwei Fußgängern entlang, die über die Straße wollten, die dann aber doch wieder zurück wollten. Als sie rückwärts gehen wollten, erschraken sie, weil ich unbemerkt genau hinter ihnen fuhr. Ich erntete ein: „Arh eh! Aas eh! Gucke hin eh!“ Nach ihrem Erschrecken also ein sofortiges Umschalten in einen Modus absoluter Aggression.

Das ist es wohl was gemeint ist, wenn „wir“ sagen, Gewaltfreiheit sei eine Haltung. Was schießt jemandem als erstes durch den Kopf, wenn etwas unerwartetes passiert: Angst & Aggression oder etwas, dass dem Leben vertraut.