Glaubenssätze oder Werte

Übungsgruppe in Halle. Der Klassiker: Ist „Pünktlichkeit“ ein Bedürfnis? Wir einigten uns auf ein klares Nein und darauf, des es sich um einen Wert handele.

Darauf die Frage eines Menschen aus der Schule von Klaus-Dieter Gens, ob denn wohl in Leipzig Werte auch ein wichtige Rolle spielten. Mir war da eher der Satz im Ohr: „Das ist kein Bedürfnis, das ist ein Glaubenssatz.“

Ich habe nochmal nachgedacht – wahrscheinlich sind das nur Sprachregelungen. Aber es geht um dasselbe – Glaubenssatz oder Wert.

Auf jeden Fall Setzungen, die Orientierungen, Entscheidungen erleichtern, Strukturen im Zusammenleben von Menschen schaffen. Zum Beispiel Felix‘ fröhliches: „Du sollst nicht töten ist ein Glaubenssatz“ Im Nachhinein stellt sich für mich heraus, dass das Konzept des Glaubenssatzes  für mich im Leipziger Kurs wohl entscheidend war. Es steht für mich im Zusammenhang mit  Watzlawicks „Erfundener Wirklichkeit“ und Günther Anders‘ nihilistischem Anti-Annihilismus.

Und wenn ich an dem Glaubenssatz festhalte, ein verstockter Atheist zu sein, der die Existenz einer vom Menschen unabhängigen sinnstiftenden Instanz ablehnt, dann hat die Relativität von Glaubenssätzen tiefgreifende Konsequenzen: Sie sind nur Trittbretter über einem unendlich tiefen Meer der Sinnfreiheit.

Dieses Bild von den Trittbrettern scheint mir eine rationale Kopfgeburt, genauso schlüssig wie die Herleitung eines mathematischen Satzes. Na gut, die Grundaxiome sind in der Mathematik sicherer festgelegt. Aber was sagt der Teil meiner Persönlichkeit, der versucht über Gefühle Signale an mich zu senden zu der These von den Trittbrettern:

Manchmal höre ich eine weise Heiterkeit, der Atem geht tief in den Bauchraum, das Gesicht ist entspannt, ein leichtes Lächeln. Ich genieße die Freiheit. Meine Werte sind genauso willkürlich wie die des Anderen. Endlich kein Muss, keine heilige Pflicht als erstes und vordergründig, die für alle gültige Wahrheit zu finden. Positive Gefühle – erfüllte Bedürfnisse: Harmonie, Koheränz, Autonomie?

Manchmal bin ich entsetzt, gelähmt, ein Druck auf der Brust, der verhindert tief zu atmen. Diese Beliebigkeit der Trittbretter, kein richtig, kein falsch, alles wurscht, kein absolutes Geländer, an das ich mich halten kann. Negative Gefühle – unerfüllte Bedürfnisse: Verbindung, Zugehörigkeit, Geborgenheit?

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